Geschichten find ich toll. Sie bringen das Wesentliche mit einfachen Worten, leicht verständlich zum Punkt. Geschichten belustigen uns. Sie begeistern uns. Sie verändern uns, jung und alt, egal ob wir sie in Büchern lesen, im Kino sehen oder, ob sie uns eine tiefe Stimme in geselliger Runde erzählt. Geschichten werden schon erzählt so lange es Menschen gibt. Geschichten geben Überlebenswissen, Überlebenserfahrung weiter. Hier findest du also Geschichten, um besser zu "überleben". Viel Freude damit! 

 

 

Ein Leben ohne Anfechtungen

Zu der Zeit, als es noch keine Autos gab, fuhr der Kutscher Joe jeden Tag mit der Equipage seines Herrn aus. Wenn das Wetter schön war, dann war das Verdeck zurückgeschlagen. Und dann konnte der Herr sich mit dem Joe unterhalten.
Diese Unterhaltung war aber meist sehr einseitig. Joe war ein frommer Mann, der täglich mit der Bibel umging und keinen Tag ohne ein kräftiges Gebet begann. Das aber erschien dem Herrn unendlich lächerlich. So bestand die Unterhaltung meist darin, dass der Herr seinen Kutscher wegen seiner Frömmigkeit verspottete.
Eines Tages fuhren sie wieder auf der Landstraße. “Wie geht’s dir?”, fragte der Herr leutselig.
Joe zuckte bekümmert die Achseln: “Ich habe eine schwere Zeit, weil ich durch viele Anfechtungen gehen muss.”
“Hahaha!”, lachte der Herr. “Da kann man sehen, was das Christentum für ein Unsinn ist. Anfechtungen! Wenn ich so was schon höre! Mit solch dummem Zeug gebe ich mich gar nicht ab.”
Joe schwieg.
Ein paar Tage später war der Herr mit Joe auf der Entenjagd. Mit der Schrotflinte saß er im Boot. Joe ruderte den Kahn durch das Schilf. Brrrrr! Da ging plötzlich so ein Entenschwarm hoch. Der Herr schoss wie wild mit seiner Schrotflinte. Ein paar Enten schwammen tot auf dem Wasser. Zwei, die nur verwundet waren, versuchten aufgeregt zu entkommen.
“Schnell hinterher, Joe!”, schrie der Herr und deutete auf die beiden Enten, die entrinnen wollten.
Joe ließ die Ruder sinken. “Aber warum denn, Herr? Lassen Sie uns doch erst die toten Enten einsammeln.”
“O bist du dumm!”, schrie der Herr wütend. “Die toten, die haben wir ja sowieso. Aber die beiden wollen uns durchgehen. Hinter denen müssen wir her sein. Los, rudere!”
Joe aber ließ die Ruder ruhen. “Herr”, sagte er, “Sie haben neulich gespottet, weil ich Anfechtungen habe, und haben sich gerühmt, dass Sie keine haben. Nun, Herr, der Teufel macht es wie Sie auf der Entenjagd. Die Toten lässt er in Ruhe – Sie verstehen: Die innerlich Toten, die lässt er mit Anfechtungen in Ruhe, weil er sagt: Die habe ich ja sowieso. Wenn aber einer ihm durch die Gnade Jesu entrinnen und selig werden will – Herr! – da ist er hinterher! Da gibt es Anfechtungen!”
Der Herr schwieg. Vielleicht war ihm aufgegangen, dass seine Unangefochtenheit etwas Schreckliches sei.

Autor mir unbekannt

 

 

Das perfekte Herz 

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.

 

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: "Nun, dein Herz ist nicht annähernd so schön, wie meines." Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.

 

Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig und es gab einige ausgefranste Ecken...Genau gesagt, waren an einigen Stellen tiefe Furchen, in denen ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an und dachten: Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner?

 

Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: "Du musst scherzen", sagte er, "dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen."

 

"Ja", sagte der alte Mann, "deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau passen, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde. Ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?"

 

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen.

Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.

 

Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen fort, Seite an Seite.

AUTOR MIR UNBEKANNT

 

Der größte Trick des Teufels, uns fertig zu machen.

 

Es wurde bekanntgegeben, dass der Teufel Konkurs machte und alle seine Werkzeuge an diejenigen verkauft werden, die seinen Preis bezahlen könnten.
Am Abend des Verkaufes wurden sie alle nett aufgestellt, aber es war trotzdem ein leidiger Haufen: Haß, Neid, Eifersucht, Sinnlichkeit, Betrug und alle anderen Arbeitsgeräte des Bösen. Jedes mit seinem eigenen Preis.
Abgesondert von den anderen war ein harmlos aussehnendes, keilförmiges Werkzeug, sehr abgenutzt und sehr viel teurer als die anderen. Jemand fragte den Teufel: “Was ist das?” “Das ist ENTMUTIGUNG”, antwortet er. “Warum ist es so teuer?”, fragte der mögliche Käufer. “Weil”, sagte der Teufel, “es mir nützlicher ist als alle anderen Werkzeuge. Denn ich kann damit in das Gewissen eines Menschen einbrechen, wenn ich ihm mit allen meinen anderen Geräten nichts anhaben konnte. Wenn ich erstmal im innersten Denken eines Menschen bin, durch die ENTMUTIGUNG, kann ich ihn benutzen, wie es mir gefällt. Und dieses Werkzeug ist so abgenutzt, weil ich es bei fast jedem gebrauchen konnte, weil nur sehr wenige Leute wissen, dass es mir gehört.”       AUTOR UNBEKANNT